Benefiz am Berg
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Bandinterview - Delva

Liebe Johanna, eigentlich solltet Ihr mit Delva in diesem Jahr beim Festival-Mediaval CZ auftreten, doch leider macht die Coronasituation auch 2021 eine Durchführung unmöglich. Zum Glück kann man Euch aber nun beim Benefiz am Berg trotzdem in der Region live erleben. Wie ist es Euch denn als Band in dem ganzen Coronawahnsinn der letzten Zeit ergangen.

Natürlich hatten auch wir kein leichtes 2020. Denn teilweise leben unsere Bandmitglieder von der Musik und zudem haben wir trotz Corona letztes Jahr unser Album „Spuren“ veröffentlicht, was ohne Live-Auftritte natürlich eigentlich der Horror ist. Das Album hat so bisher logischerweise viel zu wenig Gehör gefunden. Aber es war uns trotzdem wichtig, die Menschen mit neuer Musik zu trösten, wenn schon nicht mit Konzerten. Wir hoffen, dass wir geplante Auftritte, wie beim Feuertanz Festival, bald nachholen können.

Du bist ja Vielen als Sängerin der Band Bannkreis bleibend in Erinnerung geblieben. Deine Band Delva ist ja medial noch nicht ganz so bekannt. Vielleicht kannst Du allen Besuchern mal kurz mehr zu Delva erzählen.

DELVA ist im Kern eigentlich ein Familienprojekt. Meine Schwester ist die Geigerin und ihr Mann ist verantwortlich für alle möglichen Gitarren. Ursprünglich suchte ich damals Mitmusiker für ein Support Konzert bei Eric Fish & Friends, das Eric mir vorschlug. Aus dieser kleinen Show ist dann aber eine richtige Band gewachsen. Seit dem letzten Album haben wir unsere Besetzung um Drums und Bass erweitert, was uns noch mal vielseitiger macht. Unsere Musik lässt sich als geheimnisvoller, halbakustischer Folkrock umschreiben. Das Experimentieren mit vielen Klangfarben und das Erzählen authentischer Geschichten ist uns immer mit am wichtigsten.

Musiker, Veranstalter, und Techniker wurden in Zeiten von Corona ja besonders bestraft, im Prinzip mit einem schon einjährigen Dauerlockdown. Du warst in der Zeit aber nicht untätig und hast Dich auch einem neuen, sehr spannenden, Projekt gewidmet in das ich netterweise ja auch schon einmal reinhören durfte. Wie kam es denn dazu?

Wer mich kennt, weiß, dass ich Folk zwar unheimlich liebe, mich eigentlich aber vor allem auf Rockbühnen sehr zu Hause fühle.
Deshalb habe ich die konzertfreie Zeit genutzt, um ein neues Projekt zu gründen, das meine Spielwiese und mein nächster Schritt in diese Richtung sein soll. Ich bin sehr froh, für dieses Vorhaben den großartigen Bernie Geef an meiner Seite (besser gesagt den Saiten) zu haben, den man als Gitarrist von Letzte Instanz kennt. Der Name unseres Projekts ist Arctic Relief und geht in Richtung Melodic Metal. Es wird bald erste Songs zu hören geben, bei denen man mich zur Abwechslung mal auf Englisch, aber auch weiterhin auf Deutsch hören kann.
Aufgrund der aktuell schwierigen Gesamtsituation wird das Ganze erst mal ein Studioprojekt sein. Aber ich hoffe natürlich, dass es, in welcher Form auch immer, ein Türöffner zu einem Abenteuer sein wird, das sich auch auf Bühnen abspielen wird.

Kommen wir mal zum Benefiz am Berg zurück, dass ja nicht weit von Selb entfernt, in Wunsiedel stattfindet. Wunsiedel ist inzwischen für die Mittelalterliebhaber mit den Collis Clamat zu einem echten Anziehungspunkt geworden und das Gelände ist bestens für Veranstaltungen geeignet. Hattest Du schon selbst mit Wunsiedel Berührungspunkte.

Ich glaube, es gibt da noch keine großen Berührungspunkte. Umso mehr freuen wir uns, dabei zu sein.

Wie ja bereits gesagt, macht Corona Planungen total schwierig. Wie kommt man denn als Musiker mit dieser misslichen Situation zurecht?

Man muss in so einer Situation auf alles gefasst sein. Vor allem für Menschen, die von Musik leben, ist diese Unsicherheit natürlich eine Katastrophe. Ich für mich versuche, alles ernst zu nehmen, was im Raum steht und mich auf alles gut vorzubereiten, aber auch nicht zu viel Hoffnung aufzubauen. Ich habe letztes Jahr gemerkt, wie ausgebrannt man sich fühlen kann, wenn man all sein Herzblut in etwas investiert, das dann am Ende nicht so aufgeht, wie man es sich gewünscht hat. Vorsichtig optimistisch zu sein, ist aber ein guter Fahrplan, um nicht den Mut zu verlieren, finde ich.

Du bist ja mit Herzblut Musikerin und stammst aus einer Musikerfamilie. Gab es eigentlich irgendwann den Moment, wo Du die Musik an den Nagel hängen wolltest?

Naja, vor Jahren gab es da mal so einen Moment… Nachdem ich, trotz bestandener Aufnahmeprüfungen für Gesang im Bereich Rock-Pop, keinen Studienplatz bekommen habe, habe ich natürlich drüber nachgedacht, was sonst noch infrage kommt und dann Germanistik studiert. Das hat mir auch großen Spaß gemacht. Aber die Idee, keine Musik mehr zu machen, kam mir glaube ich nie ernsthaft in den Sinn.
Wenn ich überhaupt schon mal in die Nähe dieses Gedanken gekommen bin, dann erst während Corona. Natürlich fragt man sich in so einem Extremfall mit entsprechenden (nicht)-Reaktionen der Politik, wieviel Bedeutung die Musik in diesen gesellschaftlichen Strukturen wirklich hat und ob die Mühe, Musik auf professionellem Niveau betreiben zu wollen, einen nicht kaputt macht. Aber am Ende ist Musik für so viele vor allem eines: viel zu sehr Selbsttherapie, als dass man sie fallen lassen könnte.

Von der Musik leben zu können ist ja für viele Musiker inzwischen völlig illusorisch. Gut ist, wenn man da noch einen Job hat von dem man Leben kann. Auch Du, und das hat mit einer der bekanntesten Filmreihe der ARD dem „Tatort“ zu tun.

Genau, nun bin ich das erste Mal dankbar, nicht von der Musik leben zu müssen. Ich bin hauptberuflich Hörfilmautorin, hauptsächlich für den Bayerischen Rundfunk. Das bedeutet, ich erstelle Skripte, in denen Details eines Films für Blinde und Sehbehinderte beschrieben werden. Diese Texte werden dann eingelesen und als Tonspur produziert, die der Sehgeschädigte dann bei Ausstrahlung des Films oder im Kino als zweiten Tonkanal hinzu schalten kann. So wird sehbeeinträchtigten Menschen die Teilhabe an Kultur ermöglicht. Das beschränkt sich aber keineswegs nur auf Sendungen der Reihe „Tatort“. Wir Autoren beschreiben in der Regel alle möglichen Spielfilme, Dokumentationen, aber auch Bilder für Ausstellungen, Theaterstücke und so weiter.
Viele wissen wahrscheinlich, dass ich selbst nur ungefähr 3% Sehfähigkeit habe. Ich bin also auf der Schwelle dessen, was man „blind“ nennt. Ich scheue mich etwas, diesen Begriff für mich selbst zu verwenden, da er einem oft einen ungewollten Stempel verpasst und alle Blinden unter einen Hut steckt. Die Leute sind sich oft nicht bewusst, dass jeder Sehbehinderte anders sieht und andere Dinge kann oder nicht kann. Ein weites Feld!
Ich arbeite jedenfalls sehr gern als Hörfilmautorin, weil das sehr vielseitig ist und einen die Details eines Kunstwerks wieder mehr schätzen lehrt.

Hat man Dich eigentlich schon einmal gefragt, in einer Tatort-Folge mitzuspielen. Gerade in letzter Zeit tauchen ja immer wieder Musiker wie z.B. Heinz Rudolf Kunze, Clueso, Desiree Klauekens oder Timur Karakus, um nur einmal ein paar zu nennen, auf. Würde Dich das reizen?

Klar, das würde ich total gerne mal machen. Ich fürchte zwar, dass die Möglichkeiten an Rollen für sehbehinderte Schauspieler recht überschaubar sind, aber ich könnte mir das total vorstellen!

Nochmal zu Delva zurück. Du hast ja schon die familiäre Bindung erwähnt. Macht das die gemeinsame Arbeit eigentlich einfacher oder schwieriger?

Es ist etwas sehr Besonderes, mit der Familie Musik zu machen. Manches Organisatorische lässt sich natürlich gut damit unter einen Hut bekommen, dass man sich sowieso trifft. Dafür vermischt sich aber auch oft Band und Privates, was durchaus oft anspruchsvoll zu handhaben ist. Man ist natürlich auch viel angreifbarer und sensibler was Kritik o.ä. angeht. Man nimmt seltener ein Blatt vor den Mund, was gut sein kann, womit man aber trotzdem respektvoll umgehen muss. Aber diese Balance gelingt ja in jeder Band am Ende mal besser und mal schlechter.

Zum Abschluss noch eine Frage mit Blick in die Zukunft. Was wünscht Du Dir denn noch vom Jahr 2021 und die musikalische Zukunft von Delva?

Ich hoffe natürlich, dass die Kulturszene in diesem Jahr endlich die Wertschätzung bekommt, die sie verdient hat und dass sich Veranstaltungen mit tollen Konzepten, die Veranstalter mühevoll erarbeitet haben, wie Blaecky Schwarz mit dem Benefiz am Berg und dem Festival Mediaval, umsetzen lassen.
Meine Pläne für die nähere Zukunft sind auf jeden Fall, die neue Musik von DELVA mehr Menschen als bisher möglich zu Gehör zu bringen und, mit Arctic Relief weiter den Pfad neuer Gefilde zu bewandern, der mich hoffentlich in jeder Hinsicht an tolle Orte führen wird. Ich hoffe, den Menschen etwas mit meiner Musik geben zu können. Geben ist sehr wichtig in diesen Zeiten. Vielleicht können wir das aus dieser Krise mitnehmen.

Liebe Johanna vielen Dank für das Interview

Interview: Bernd Sonntag (RCN Nürnberg/Konzertreport)